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Betten-/Patiententransport
Stand: 09/2018

P Betten-/Patiententransport

Bettentransport

Pflegebetten sind nicht nur technische Hilfsmittel im Patientenzimmer und dienen dem Patientenaufenthalt, sondern werden auch als Transportmittel eingesetzt. Bettlägerige Patientinnen und Patienten werden im Bett zu Untersuchungen, Eingriffen und Therapien hin- und zurückgebracht. Auf diese Weise sind viele Beschäftigte mit dem Bettentransport befasst:

  • Beschäftigte im Patientenbegleitdienst
  • Pflege- und Funktionskräfte inklusive Auszubildender
  • Beschäftigte der Logistik- und Serviceabteilungen

Die Mehrzahl der Betten im Krankenhaus ist heute elektrisch verstellbar, was sowohl das ergonomische Arbeiten am Pflegebett erleichtert als auch den Komfort der Patientinnen und Patienten verbessert. Allerdings sind moderne Elektrobetten schwer. Mit dem Akku für den Antrieb und dem Gewicht der Patientin bzw. des Patienten kommen in der Regel zwischen 200 bis 300 kg und mehr zusammen. Aber auch sehr schwere Massen lassen sich entspannt und sicher auf Rollen bewegen, jedoch nur, wenn die Fahrweise stimmt!
Bei Geradeausfahrten durch Flure und Gänge ist die Spurrolle zu arretieren und das Bett unbedingt von der geeigneten, nämlich der der Spurrolle entgegengesetzten, lenkbaren Seite zu schieben, um Schulter-, Nacken-, Rücken- und Kniebelastungen wirkungsvoll zu minimieren.

Technisch einwandfreier Zustand des Bettes:

Wenn eine Rolle z. B. durch Verunreinigungen im Rollengehäuse klemmt oder die Spurrolle nicht arretiert, lässt sich das Bett nicht sicher und/oder nur mit unverhältnismäßigem Kraftaufwand schieben, erst recht, wenn eine schwere Patientin bzw. ein schwerer Patient zu transportieren ist. Solche Defekte müssen unverzüglich behoben werden. Es sollte sichergestellt sein, dass – z. B. bei der jährlichen Überprüfung der Pflegebetten (nach DIN VDE 0751 -1 und Medizinproduktebetreiberverordnung MPBetreibV) – die Funktion der Rollen kontrolliert, diese gewartet oder ggf. ausgetauscht werden. Pflegekräfte sollten in der regelmäßig durchzuführenden Unterweisung im Umgang mit Pflegebetten darauf hingewiesen werden, dass ein Bett auszusondern und als defekt zu kennzeichnen ist, wenn es sich nicht einwandfrei schieben oder bremsen lässt.

Bettentransport mit zwei Personen

Wann immer möglich sollten Betten - auch leere Betten zu zweit verfahren werden; nur so kann die Belastung gering gehalten werden.

Eine zweite Person (die Lenkerin bzw. der Lenker), unterstützt beim Anfahren und Bremsen, beim Erkennen von Hindernissen, bei Kurvenfahrt und beim Rangieren auf engem Raum. Wichtig: Sie muss bei Geradeausfahrt vorwärts neben dem Bett herlaufen. Rückwärts oder vor dem Bett zu gehen, ist gefährlich und sehr gelenkbelastend.

Bettniveau geeignet einstellen:

Das Bett wird vor Transportbeginn abhängig von der Körpergröße der Schieberin bzw. des Schiebers so tief wie möglich eingestellt, um den Schwerpunkt des Bettes möglichst tief zu halten. Dadurch wird das Manövrieren erleichtert.  Die Körperhaltung sollte leichtvorgeneigt sein, um das Gewicht des Oberkörpers auf dem Bettende mit den Armen abstützen zu können. So wird der Rücken entlastet. Die Arme sind leicht gebeugt, die Schultern sollten nicht hochgezogen und die Handgelenke nicht überstreckt sein. Das Bett wird immer auf die Schieberin bzw. den Schieber eingestellt.


Manövrieren auf engem Raum:

Im Patientenzimmer zwischen Stühlen, Nachtschränken, anderen Betten und Hilfsmitteln ist es meist sehr eng. Um ein Bett auf den Flur zu bringen, wird die Bremse gelöst, die Spurrolle aber nicht arretiert. Wenn alle Rollen frei um ihren Aufhängpunkt drehen können, kann das Bett auf engstem Raum an allen Hindernissen vorbeigeschoben werden. Dabei wird bei schweren Betten der Rücken am wenigsten belastet, wenn die Position gewechselt und nach Bedarf hinten oder vorne angefasst wird. Wird nur von einer Seite aus manövriert, können sich Hebelkräfte sehr ungünstig auswirken, die letztlich im Rücken abgefangen werden müssen. Am schnellsten lässt sich ein Bett aus dem Zimmer oder hineinbringen, wenn eine zweite Person mit anfasst.

Spurrolle arretieren

Die Mehrzahl der Betten hat eine arretierbare Spurrolle. Sie sorgt dafür, dass das Bett bei Geradeausfahrt auf Kurs bleibt. Wichtig ist, dass dabei die Spurrolle so einrastet, dass sie nicht gegen die Fahrtrichtung steht. Sonst „flattert“ das Bett beim Schieben unangenehm für Patientin bzw. Patient und schiebende Person.

Wird die Rolle bei Streckenfahrten auf Fluren und Gängen oder in großen Räumen nicht festgesetzt, führt jede kleine Bodenunebenheit und jede Unregelmäßigkeit beim Schieben zu einer Richtungsänderung. Mit Körperkraft muss dann verhindert werden, dass das Bett schlingert, gegen Hindernisse oder die Wand prallt. Beim Gegenlenken entstehen zudem erhebliche Scherkräfte, die gelenkbelastend sind. Dass der „Trick mit der Spurrolle“ so häufig in Vergessenheit gerät, liegt vor allem daran, dass ein Bett mit arretierter Spurrolle nur von dem der Spurrolle gegenüberliegenden Bettende mit den frei beweglichen Rollen einfach zu schieben ist. Versucht man, ein Bett von dem Ende aus zu schieben, an dem die Spurrolle arretiert ist, ist die Lenkbarkeit sehr stark eingeschränkt und der Sinn der Arretierung ist nicht mehr erkennbar – in der Folge wird diese wichtige Funktion gar nicht mehr aktiviert.

Erschwerend kommt hinzu, dass

  • beide Bauformen von Betten gebräuchlich sind – manchmal sogar in einem Haus:
    • Spurrolle am Kopfende – Schieben nur vom Fußende (häufiger)
    • Spurrolle am Fußende – Schieben nur vom Kopfende

      Langfristig sollte es unbedingt eine verbindliche Festlegung darüber geben, welche Transportrichtung die Betten eines Hauses haben sollen, und Betten sollten dementsprechend einheitlich beschafft werden, um gleichbleibende Arbeitsabläufe zu ermöglichen.

In Krankenhäusern und unter Pflegekräften gibt es oft feste Vorstellungen darüber, ob eine Patientin bzw. ein Patient im Bett mit Blick in Fahrtrichtung oder mit Blickkontakt zur schiebenden Person zu transportieren ist. Tatsache ist, dass beide Varianten möglich sind und Betten entsprechend beschafft werden können. Nur kann eben nicht eine bestimmte Transportrichtung vorgegeben werden, wenn die Betten das technisch nicht hergeben. Für sicheres und ergonomisches Arbeiten ist das Arretieren der Spurrolle und damit das Schieben vom jeweils entgegengesetzten Ende unerlässlich. Es ist wichtig, Pflegekräften das zu vermitteln und klarzustellen, dass keine der beiden Transportrichtungen grundsätzlich negative Auswirkungen auf die Patientin bzw. den Patienten hat.


In der Ruhe liegt die Kraft – langsam anfahren und bremsen

Ist ein Bett einmal in Fahrt gebracht und wird durch die Spurrolle in der Bahn gehalten, ist der körperliche Aufwand für das Schieben sehr gering. Um aber das Gewicht zu beschleunigen oder abzubremsen, ist erhebliche Kraft nötig, und die geht zwangsläufig über den Rücken der bzw. des Schiebenden. Um hier die Belastung gering zu halten, ist es wichtig, mit dem Bett langsam aus der Schrittstellung anzufahren und am Ziel oder vor Hindernissen rechtzeitig und allmählich abzubremsen.

Beschäftigte müssen dieses Verhalten oft bewusst einüben, denn Bettentransport findet häufig unter Zeitdruck statt: Die Funktionsabteilung, der nächste Transport oder die Arbeit auf Station warten immer schon. In der Folge kann man oft beobachten, dass sich schiebende Personen mit aller Kraft vor das stehende Bett werfen oder zum kurzfristigen Abbremsen dranhängen. Allerdings verlängert die ergonomische Arbeitsweise den Gesamttransportprozess, wenn überhaupt, nur unwesentlich – so viel Zeit muss sein!

Mit geringer Übung bzw. Umgewöhnung an die geeignete Fahrweise ist es möglich, Betten – natürlich mit arretierter Spurrolle bei Geradeausfahrt – sicher und ergonomisch idealerweise zu zweit zu transportieren, auch über verwinkelte Flure und Aufzüge.

Unterweisung

Erfahrungsgemäß sind unterschiedliche Beschäftigtengruppen mit dem Bettentransport beschäftigt:

  • In der Regel stehen mindestens während definierter Kernzeiten speziell beauftragte Abteilungen wie Patientenbegleitdienst, Transportdienst o. Ä. für den Bettentransport zur Verfügung.
  • Pflegekräfte sind für den Bettentransport mit speziellen Anforderungen (z.  B. bei sedierten Patientinnen und Patienten vor/nach OP) und außerhalb der Dienstzeiten von Patientenbegleitdiensten zuständig. Häufig werden auch Auszubildende für den Bettentransport herangezogen.
  • Beschäftigte der Serviceabteilungen transportieren leere Betten im Rahmen der Bettenaufbereitung und –verteilung.

Für alle Beschäftigtengruppen ist der Umgang mit Betten und damit auch der ergonomische Bettentransport gemäß Lastenhandhabungsverordnung in Erst- und Folgeunterweisungen zu vermitteln.

Gefährdungsbeurteilung

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben diese Tätigkeit in der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen und adäquate Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Verminderung von physischen Belastungen wirksam umzusetzen.

Über ihre Internetseite stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein Modellsystem für die Beurteilung von Belastungen beim Schieben und Ziehen von Lasten bereit. Diese „Leitmerkmalmethode“ erlaubt es anschaulich, alle Bedingungen eines Transportprozesses, also Gewicht des Bettes, Körperhaltung der schiebenden Person, Häufigkeit, Bodenbeschaffenheit und vieles andere, einzugeben und zu erkennen, wie sie sich auf die körperlichen Belastungen der schiebenden Person auswirken. Damit können einerseits kritische Arbeitssituationen identifiziert und Belastungen objektiviert werden. Andererseits trägt das Modellsystem auch dazu bei, dass Beschäftigte besser nachvollziehen können, wie ihre Arbeitsweise die entstehenden Belastungen beeinflusst. Daher eignet es sich auch zur Unterweisung.


Maschinelle Hilfsmittel

Kraftbetriebene Transporthilfen für Betten, sogenannte Bedmover, machen den Bettentransport kräftesparend und effektiv. Üblich sind Geräte mit Elektroantrieb. Sie werden passend zum vorhandenen Bettentyp beschafft und können mit einer Aufnahmevorrichtung schnell und unkompliziert an das zu transportierende Bett angekoppelt werden. Mittels eines Bedienteiles oder sogar von einer Mitfahrerplattform kann das Bett dann ohne Kraftaufwand gefahren und manövriert werden. Gesonderte Erst- und Folgeunterweisungen sind unabdingbar.



Transporthilfen

Patientinnen und Patienten, die nur eingeschränkt gehfähig, aber nicht bettlägerig sind, werden mit Transportstühlen befördert. Dabei ist das zu bewegende Gesamtgewicht zwar viel geringer, aber die schiebende Person kann die Griffhöhe nicht anpassen. Außerdem ist der Rollwiderstand stark von der Qualität und dem Zustand des Transportstuhles abhängig. Transportstühle müssen leichtgängig sein (gut gelagerte, nicht zu kleine Rollen) und dem Gewicht der Patientin bzw. des Patienten entsprechen. Auch für schwerere Patientinnen und Patienten müssen ausreichend bemessene Transportstühle zur Verfügung stehen. Weil allgemein mit höheren Patientengewichten gerechnet wird, sollten neu zu beschaffende Transportstühle mit nicht zu geringer Gewichtszulassung gewählt werden, schon weil das Vorhalten und Zuordnen von Stühlen unterschiedlicher Gewichtszulassungen im Stationsalltag umständlich ist.

Transportorganisation

Die organisatorischen Prozesse rund um den Betten- bzw. Patiententransport allgemein tragen nicht unerheblich zum Funktionieren eines Krankenhauses bei. Kommt es dabei zu Problemen, wirkt sich das häufig stark störend auf die Arbeitsabläufe der betroffenen Abteilungen aus: Patientinnen und Patienten können nicht pünktlich transportiert werden oder müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, Funktionsabteilungen haben Leerläufe, wenn Patientinnen und Patienten nicht rechtzeitig zur Untersuchung kommen, und nicht zuletzt fehlt erhebliche Pflegekapazität auf Stationen, wenn viele Transporte durch Pflegepersonal abgedeckt werden müssen. Diese und ähnliche Probleme können erheblich zum Stresspotenzial und zu psychischen Belastungen für das Krankenhauspersonal beitragen. Die Optimierung von Patiententransporten ist daher nicht nur wichtig für den reibungslosen Ablauf, sondern auch für gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Dazu ist ein gut funktionierendes computergestütztes Transportmanagement wichtig, über das anstehende Patiententransporte angefordert und abgewickelt werden, aber auch genaue Arbeitsanweisungen und Abstimmungen zwischen den Abteilungen zu Fragen des Patiententransportes.