Im Kreißsaal werden verschiedene Medikamente eingesetzt, um die Geburt zu unterstützen, Komplikationen zu behandeln und Schmerzen zu lindern. Häufige Anwendungsfälle sind:
1. Wehenfördernde Medikamente (Uterotonika)
Diese Medikamente unterstützen die Wehentätigkeit.
- Oxytocin (Syntocinon): Fördert die Wehentätigkeit, wird per Infusion verabreicht.
- Misoprostol (Cytotec): Zur Geburtsinduktion bei unreifem Muttermund.
- Dinoproston (Prostaglandin E2): Zur Einleitung der Geburt, als Gel, Tablette oder Zäpfchen.
2. Wehenhemmende Medikamente (Tokolytika)
Diese Medikamente werden eingesetzt, um vorzeitige Wehen zu hemmen:
- Fenoterol (Partusisten): Beta-2-Sympathomimetikum, das Wehen unterdrückt.
- Atosiban (Tractocile): Oxytocin-Rezeptor-Antagonist zur Wehenhemmung.
- Magnesiumsulfat: Wird in schweren Fällen zur Wehenhemmung und bei Präeklampsie/Eklampsie eingesetzt.
3. Schmerzmittel (Analgetika und Anästhetika)
Schmerzlinderung während der Geburt:
- Periduralanästhesie (PDA): Regionale Betäubung durch kontinuierliche Gabe schmerzstillender Anästhetika, die über einen Katheter in den Periduralraum appliziert werden.
- Lokalanästhetika (Bupivacain, Ropivacain): Zur Vorbereitung der PDA wird häufig ein Lokalanästhetikum verabreicht.
- Paracetamol und Ibuprofen: Bei leichten Schmerzen, selten im Kreißsaal.
- Remifentanil: Opioid, das über eine Patientenkontrollpumpe verabreicht wird.
- Lachgas (Distickstoffmonoxid): Zur Schmerzlinderung während der Wehen (in manchen Kliniken).
4. Medikamente für die Geburtseinleitung
- Prostaglandine: Fördern die Reifung des Muttermundes und lösen Wehen aus.
- Oxytocin: Zur Weheninduktion nach vorzeitigem Blasensprung oder bei Übertragung.
5. Medikamente bei Komplikationen
- Antibiotika: Bei Infektionen oder vorbeugend bei Blasensprung >18 Stunden.
- Corticosteroide (Betamethason): Zur Lungenreifung des Babys bei drohender Frühgeburt.
- Antihypertensiva (z. B. Methyldopa): Bei hohem Blutdruck.
- Magnesiumsulfat: Zur Prävention von Krampfanfällen bei Präeklampsie.
6. Medikamente nach der Geburt (postpartal)
- Uterotonika: Zur Blutstillung und Förderung der Gebärmutterrückbildung.
- Eisenpräparate: Bei Blutverlust zur Anämiebehandlung.
- Thrombozytenaggregationshemmer: Zur Vermeidung von Thrombosen, wenn nötig.
Die Auswahl der Medikamente hängt vom individuellen Geburtsverlauf, bestehenden Risiken und aktuellen medizinischen Leitlinien ab. Eine enge Zusammenarbeit des geburtshilflichen Teams sorgt hierbei für die bestmögliche Versorgung von Mutter und Kind.
Darreichungsformen, bei denen eine Exposition der Beschäftigten möglich ist, sind beispielsweise:
- Nicht überzogene Tabletten, Granulate, Pulver
- Tropfen
- Inhalationslösungen, Sprays
- Injektions- und Infusionslösungen
- Salben und Lösungen zum Einreiben
Tätigkeiten mit erhöhtem Expositionsrisiko sind etwa:
- Teilen und Mörsern von Tabletten
- Vorbereiten und Verabreichen von Infusionen
- Wechseln, Entlüften, Entfernen von Infusionssystemen
- Auftragen von Arzneimitteln zur äußeren Anwendung
- Anwendung und Verabreichung von Inhalaten
Schutzmaßnahmen
Beim Umgang mit Medikamenten sollten grundsätzlich direkter Hautkontakt sowie die Entstehung von Stäuben und Aerosolen vermieden werden. Dies kann zum Beispiel erreicht werden durch:
- Das Tragen von Schutzhandschuhen beim Vorbereiten und Verabreichen von Medikamenten sowie beim Reinigen von Gefäßen und Hilfsmitteln
- Die Verwendung von Hilfsmitteln wie Spatel, Pinsel und Applikatoren
- Die Benutzung geschlossener Tablettenteiler und Mörser
- Das Entlüften von Spritzen in einen Tupfer
- Die Verwendung von Druckentlastungssystemen mit Aerosolfilter
- Ausreichender Raumluftwechsel bzw. lokale Absaugung bei der Gabe von Lachgas über eine Maske
Bei längeren Tragezeiten von Schutzhandschuhen ist ein ausreichender Hautschutz sicherzustellen.
Mutterschutz
Im Normalfall ist der Umgang mit Medikamenten für werdende und stillende Mütter möglich, wenn die allgemeinen Schutzmaßnahmen (z. B. das Tragen von Schutzhandschuhen) eingehalten werden.
Ausgenommen hiervon sind Medikamente mit KMR-Eigenschaften. Aufgrund der chronisch schädigenden Eigenschaften dürfen werdende und stillende Mütter damit keinen Umgang haben. Problematisch sind auch Patienten, die gerade eine Chemotherapie durchlaufen. Da sämtliche Ausscheidungen dieser Personen Zytostatika enthalten können, ist der Kontakt unbedingt zu vermeiden.
Nach § 10 Mutterschutzgesetz hat der Arbeitgeber im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes für jede Tätigkeit
- Die Gefährdungen nach Art, Ausmaß und Dauer zu beurteilen, denen eine schwangere oder stillende Frau oder ihr Kind ausgesetzt ist oder sein kann, und
- Unter Berücksichtigung des Ergebnisses der Beurteilung der Gefährdung nach Nummer 1 zu ermitteln, ob für eine schwangere oder stillende Frau oder ihr Kind voraussichtlich
- Keine Schutzmaßnahmen erforderlich sein werden,
- Eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen nach § 13 Absatz 1 Nummer 1 erforderlich sein wird oder
- Eine Fortführung der Tätigkeit der Frau an diesem Arbeitsplatz nicht möglich sein wird.