Physische Belastungen
Heben, Tragen
Bei allen logistischen Abläufen werden Materialien auf-, um- oder abgeladen, so dass Hebearbeit anfällt. Dabei ist es von der Organisation und Aufgabenverteilung im Einzelfall abhängig, wieviel davon welche Beschäftigtengruppe übernimmt.
Beispiel: Wer verteilt die Getränkekästen auf der Station?
Die Mehrzahl der Krankenhäuser verwendet Mehrweggetränkeflaschen zur Versorgung der Patienten. Platzprobleme führen oft dazu, dass die Flaschenkästen auf den Stationen in schlecht zugänglichen Bereichen bereitgestellt werden. Die Arbeit des Verräumens muss entweder vom Pflegepersonal oder vom Transportdienst erbracht werden, wobei die entstehenden Belastungen in beiden Fällen zu bewerten sind.
Wenn, wie im Krankenhausbetrieb häufig der Fall, Ladearbeiten von Personen durchgeführt werden, die auch transportieren, führt das zu wechselnden Beanspruchungen, die die Gesamtbelastung reduzieren, weil Laufstrecken zwischen den Hebevorgängen liegen. In der Regel kann auf diese Weise auch die Anzahl der Hebevorgänge pro Schicht auch so begrenzt werden, dass kritische Grenzwerte für die Lastenhandhabung nicht überschritten werden. Dies ist in einer Gefährdungsbeurteilung nach Lastenhandhabungsverordnung zu prüfen (z.B. Leitmerkmalmethoden nach Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA).
Wichtige Einflussfaktoren sind dabei:
Lastgewichte:
Viele der in einem Krankenhaus zu transportierenden Lasten haben nur ein mäßiges oder geringes Gewicht (z.B. Einmaltextilien, Einmalverbrauchsmittel und Inkontinenzmaterial). Schwere Packstücke können aber zu kritischen Belastungen führen. Wo sie in größerer Stückzahl zu bewegen sind, muss die Arbeit so organisiert und gestaltet werden, dass Überlastungen vermieden werden. Das gilt zum Beispiel für
- das Abpacken von Infusionslösungen, Sondenkost oder Getränkekisten von Paletten
- das Abwerfen von Abfallsäcken in hohe Container, wenn keine geeigneten Containerrampen vorhanden sind.
Maßnahmen zur Reduktion der Belastung können sein:
- Logistische Anpassungen, wie z.B. Umstellung auf dezentrale Tafelwasserbereiter, Bereitstellung von Getränkekästen auf Wagen oder Umstellung auf kleinere Verpackungseinheiten
- Geeignete bauliche Ausstattung, wie mit Wagen befahrbare Containerrampen
- Geeignete Arbeitsorganisation, wie Verteilung der belastenden Tätigkeiten auf eine ausreichende Anzahl von Beschäftigten
- Technische Hilfsmittel wie Scherenhubwagen für Paletten
Platzangebot:
Für eine ergonomisch gute Gestaltung von Transportprozessen wird Platz benötigt, z.B. eine geeignete Transportorganisation mit dezentralen wagenbefahrbaren Lagerräumen, für den Einsatz von Transporthilfsmitteln und für eine gute Arbeitshaltung beim Bewegen von Lasten. Viele Krankenhausgebäude sind allerdings Jahrzehnte alt und nicht ausreichend angepasst auf die Anforderungen der aktuellen Klinikabläufe, zu denen auch die umfangreichen Materialströme gehören. Das führt häufig zu zusätzlichen körperlichen Belastungen für Beschäftigte. In solchen Fällen ist zu prüfen und in die Gefährdungsbeurteilung mit einzubeziehen, wie logistische Prozesse kurz-, mittel- und langfristig so gestaltet werden können, dass Belastungen möglichst weit verringert werden können.
Personalengpässe:
Physischen Belastungen in der Materialwirtschaft wirken sich deutlich gravierender aus, wenn sie sich auf nur wenige Beschäftigte verteilen. Das wird dann zum Problem, wenn die Personaldecke ohnehin sehr dünn ist und/ oder Beschäftigte ausfallen bzw. wegen körperlicher Einschränkungen für bestimmte Tätigkeiten nicht mehr eingesetzt werden können. In der Gefährdungsbeurteilung muss geprüft werden, ob die anstehenden Arbeiten von den zur Verfügung stehenden Beschäftigten mit vertretbaren Arbeitsbedingungen zu leisten sind bzw. ob diese Mehrbelastungen nicht so hoch werden, dass es auch unter den verbliebenen Kräfte absehbar zu weiteren Ausfällen kommen wird. Dabei ist zu berücksichtigen, ob die logistischen Abläufe bzw. die räumlich-baulichen Gegebenheiten die Abwicklung von Transportaufgaben erschweren.
Schieben, Ziehen

Die Verteilung von Material bzw. die Entsorgung von Abfällen erfolgt innerhalb des Krankenhauses hauptsächlich mit manuell geschobenen Wagen, teilweise auch mit Hilfe von el. Zuggeräten. Grundsätzlich können auf diese Weise auch größere Materialmengen mit vertretbaren körperlichen Belastungen transportiert werden. Dafür ist es aber sehr wesentlich, dass Wagen und andere Transportgeräte für die vorgesehenen Zwecke gut geeignet und in einwandfreiem Zustand sind. Typische Missstände, die es zu vermeiden gilt, sind:
- Zu große oder zu schwere Wagen (oft verknüpft mit dem Ziel, möglichst viel Material mit wenig Personalaufwand zu transportieren).
- Ungeeignete Gestaltung der Wagen, z.B. fehlende oder falsche Unterteilung, fehlende sichere Griffmöglichkeiten, Schwergängigkeit
- Zu hohe Rollwiderstände an Rädern durch Verschmutzung bzw. Verschleiß. Das geschieht meist schleichend, so dass Beschäftigte den Kraftaufwand beim Schieben häufig zu Unrecht mit dem Lastgewicht in Verbindung bringen. Es ist daher wichtig, dass alle Transporthilfsmittel regelmäßig kontrolliert, gewartet und repariert bzw. ausgetauscht werden.
- Schieben mehrerer Wagen gleichzeitig. Dabei ist das Risiko körperlicher Überbelastungen sehr hoch, so dass gleichzeitiges Schieben nur bei sehr leichten (leeren) und leichtgängigen Wagen in Frage kommt.

Generell gibt es durch optimierte logistische Prozesse im Krankenhaus erhebliches Verbesserungspotential für effizientere und personalschonendere Transporte. So können zum Bespiel durch gezielte Bestellungen Ein- und Auslagerungs- sowie Umschlagsarbeiten innerhalb des Hauses verringert werden.
Weiterhin können Transportprozesse effizienter gestaltet und damit auch Belastungen für Beschäftigte verringert werden, wenn personenunabhängige Transportsysteme eingesetzt werden, zum Beispiel spurgebundene oder selbstfahrende Beförderungssysteme. Solche Transportlösungen sind aber sehr stark von der Gebäudestruktur eines Hauses abhängig und haben hohe Investitionskosten, so dass sie im Bestand schwer zu implementieren sind und bis jetzt nur ein geringer Teil des Transportbedarfes in Krankenhäusern so abgebildet wird.
Laufen
Beschäftigte, die überwiegend im Transportdienst eingesetzt werden, haben häufig große Laufstrecken in der Größenordnung von bis zu 20 km pro Schicht zu bewältigen. Dabei ist es für den Ausgleich körperlicher Belastungen grundsätzlich vorteilhaft, wenn insbesondere Belastungen durch manuelle Lastenhandhabung durch Laufen unterbrochen werden, und Laufstrecken dieser Größenordnung stellen in der Regel keine körperliche Überforderung dar. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die zur Verfügung stehenden Schutzschuhe individuell gute Trageeigenschaften haben (z.B. nicht zu schwer sind, s.u. 2.3.) und bei Bedarf erforderliche orthopädische Anpassungen ermöglichen.